Derman – die Agentur für interkulturelles Dolmetschen im Tessin

Camilla Cereghetti ist verantwortlich für die Agentur Derman bei SOS Ticino.

 

Was sind die verschiedenen Aktivitäten der Agentur Derman?

Die Agentur Derman für interkulturelles Übersetzen kümmert sich um die Auswahl, Ausbildung, Vermittlung, Begleitung und Supervision ihrer Dolmetscherinnen und Dolmetscher. Diese sind in den Sozial-, Gesundheits-, Schul- und institutionellen Diensten des Kantons Tessin sowie beim Rechtsschutz des Bundeszentrums für Asylsuchende in Chiasso tätig. Die Agentur organisiert auch Schulungen zur Sensibilisierung für interkulturelle Kommunikation für die Fachleute der entsprechenden Dienste.

Die Agentur arbeitet mit mehr als 200 Dolmetscher*innen in über 70 Sprachen zusammen. Wie rekrutieren und schulen Sie diese, um die Qualität der Leistungen zu gewährleisten?

Derman-Dolmetscher*innen werden hauptsächlich über zwei Kanäle rekrutiert: formell über Stellenangebote auf den Websites von SOS Ticino und dem regionalen Arbeitsvermittlungszentrum sowie informell über Mund-zu-Mund-Propaganda. Um eingestellt zu werden, müssen sie bestimmte Grundvoraussetzungen erfüllen. Insbesondere müssen sie neben ihrer Dolmetschsprache auch Italienisch beherrschen und eine Grundausbildung über den Berufskodex, die Übersetzungstechniken und die Arbeitsweise der Agentur absolvieren. Die Qualität wird durch eine ständige Überwachung gewährleistet, die auf dem Feedback und den Berichten der Kundinnen und Kunden basiert. Ausserdem werden regelmässig spezielle Schulungen angeboten, um ihre Professionalität zu steigern.

Wie lange besteht die Agentur bereits innerhalb von SOS Ticino bereits? Steht sie in Verbindung mit anderen Derman-Agenturen des SAH-Netzwerks?

Die Agentur Derman ist ein Projekt von SOS Ticino und seit 2006 aktiv. Sie pflegt einen punktuellen Austausch mit den Schwesteragenturen im Wallis und in Schaffhausen und ermöglicht so den Austausch von Erfahrungen und die Reflexion über spezifische Themen.

Können Gespräche mit den Dolmetscher*innen aus der Ferne geführt werden (Telefon, Zoom)? Wenn ja, für welche Situationen?

Ja, Übersetzungseinsätze können auch aus der Ferne erfolgen, per Telefon oder Videokonferenz. Am häufigsten wird das Telefon benutzt. Diese Art des Dolmetschens eignet sich für kurze Gespräche, weniger komplexe oder dringende Situationen, in denen eine physische Präsenz nicht möglich ist. Für die Klient*innen ist sie auch eine kostengünstigere Lösung, da keine Reisekosten anfallen.

Kannst du Beispiele für Situationen nennen, die für Derman-Dolmetscher*innen besonders heikel sind?

Da es sich bei den Begünstigten häufig um Migrant*innen in gefährdeten Situationen handelt, sind Übersetzungseinsätze in der Regel mit sensiblen Situationen verbunden, die die Dolmetscher*innen emotional belasten können – insbesondere, wenn sie einen ähnlichen Migrationshintergrund haben. Bestimmte Themen wie Suizid sind besonders schwierig anzusprechen. Um damit umzugehen, bietet die Agentur regelmässig Supervisionssitzungen an, die von Fachleuten geleitet werden.

Was motiviert dich am meisten bei deiner Arbeit bei Derman?

«Derman» ist ein kurdisches Wort (Sorani und Kurmanji) und bedeutet «Heilmittel» oder «Erleichterung». Genau das ist es, was mich bei meiner Arbeit motiviert. Mit unserem Dienst bieten wir Migrant*innen, die kein Italienisch sprechen, einen gleichberechtigten Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen. Darüber hinaus leistet das Derman-Projekt durch die Einstellung von Dolmetscher*innen mit Migrationshintergrund einen konkreten Beitrag zu deren Integration in der Region.

 

Weitere Informationen zu dieser Agentur finden Sie hier.

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